Der Vogel Sehnsucht

Aquarium

Text & Musik: Erich  Schmeckenbecher

 

Ein Fisch schwimmt still und leise
Im Aquarium gelassen hin und her.
Es stellt sich nicht die Frage wie das wär´,
Wenn es noch viel, viel größer wär´,
Die Scheiben dick aus Glas sind schlicht
Die Grenzen seiner kleinen, großen Welt,
Es interessiert ihn nicht, was letztlich
Seine Welt im Kern zusammenhält.

 

Wie hoch ist oben und unten wie tief?
Wie fest der Boden und schräg wie schief?

 

Freiheit ist ein großes Wort und
Heiß begehrt von jedem Menschenkind.
Der Haken ist, dass wir so gleich und
Doch so völlig unterschiedlich sind.
Brüderlich verschunkeln viele
Ihre Zeit in ihrer heilen Welt.
Einige vermuten, dass am Eigennutz
Die Welt vielleicht zerschellt.

 

Wie hoch ist oben und unten wie tief?
Wie fest der Boden und schräg wie schief?
Die Zeit vergeht, ich stehe still und ratlos
Vor dem großen off´nen Tor.
Es kommt mir vieles richtig, vieles falsch
Und manches höchst gefährlich vor.
Gedanken ziehen marodierend
Durchs Gehirn wie durch ein ödes Land.
Ich weiß genau Bescheid und doch
ist letztlich alles neu und unbekannt.
Wie hoch ist oben und unten wie tief?

 

 
Liedtext

1. Aquarium
 

Stiller Traum

Text: Erich Schmeckenbecher / H. Katzenwadl
Musik: Erich Schmeckenbecher

 
Wo ist die Nacht, wenn die Sonne scheint,
wenn der Tag die Spuren verwischt?
Wo ist mein Traum, wenn der Himmel weint?
Wo ist das Licht, wenn die Kerze erlischt?

 

Allein sein, allein sein mit dir.
Allein sein, allein sein,
Allein sein neben dir.

 

Der Horizont ist zum Greifen nah,
ein Regenbogen verschwindet im Wind.
Was wird gescheh´n, was noch nie geschah?
Stiller Traum, der endlos beginnt.

 

Allein sein, allein sein mit dir.
Allein sein, allein sein,
Allein sein neben dir.

 

 
Liedtext

2. Stiller Traum
 

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren

Text: Novalis (Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg, 1772-1801) (August 1800)
Musik: Erich Schmeckenbecher
 
Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
Wenn die so singen, oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Sich in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit wieder gatten,
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die alten wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

 
Liedtext

3. Wenn nicht mehr Zahlen
 

Die Nacht

Text: Joseph von Eichendorff (um 1832)
Musik: Erich Schmeckenbecher
 
Wie schön, hier zu verträumen
Die Nacht im stillen Wald,
Wenn in den dunklen Bäumen
Das alte Märchen hallt.
 
Die Berg im Mondesschimmer
Wie in Gedanken stehn,
Und durch verworrne Trümmer
Die Quellen klagend gehn.
 
Denn müd ging auf den Matten
Die Schönheit nun zur Ruh,
Es deckt mit kühlen Schatten
Die Nacht das Liebchen zu.
 
Das ist das irre Klagen
In stiller Waldespracht,
Die Nachtigallen schlagen
Von ihr die ganze Nacht.
 
Die Stern gehn auf und nieder –
Wann kommst du, Morgenwind,
Und hebst die Schatten wieder
Von dem verträumten Kind?
 
Schon rührt sichs in den Bäumen,
Die Lerche weckt sie bald –
So will ich treu verträumen
Die Nacht im stillen Wald.

 
Liedtext

4. Die Nacht
 

Die Kamille

Text: Theodor Kramer (1897-1958)
Musik: Erich Schmeckenbecher
 
Wo die leeren Stockgeleise
sich ins Nutzland wie ein Keil
schieben, blüht aus Schutt und Rille
kiesgesäuert die Kamille
um die Schwellen blass und heil.
 
Dünner Rauch steigt aus den Schloten,
dumpf verschwebt der Pfiff der Bahn;
keiner von den vielen Funken,
die ins spröde Gras gesunken
sind, hat ihr noch was getan.
 
Willst du mich am Abend sehen,
warte nicht im Stiegenhaus;
komm im ersten leichten Schatten,
der die Holpern längs der Latten
schwach noch sehen lässt, hinaus.
 
Scherbenzaun, Gestäng und Halle
sind im Finstern mir nicht fern;
einsam weist die lange Reihe
der Signale grün ins Freie
und am Himmel schwingt ein Stern.
 
Rührst du leicht an meine Schulter
steht ein Schein blass auf und glüht;
und ich pflück dir in der Stille,
die süß duftet, die Kamille,
die für uns verschattet blüht.

 
Liedtext

5. Die Kamille
 

Schöne Grüße

Text & Musik: Erich Schmeckenbecher
 
Laterne, Laterne,
Grüße aus der Ferne.
Zwischen Felsenwand und Wüstensand
Kämpfe ich hier für mein Vaterland
 
Schöne Grüße
 
Seit gestern, seit gestern
Pflegen mich zwei Schwestern
Keine Beine mehr, die Gedanken schwer
Fahre nun im Rollstuhl hin und her.
 
Schöne Grüße
 
Kaserne, Kaserne,
Jetzt glaub ich nicht mehr gerne
An die alte Mär,
dass dem Militär,
das höchste Gut die Freiheit wär´.
 
Schöne Grüße
 
Ich lerne, ich lerne
Von Sonne, Mond und Sterne,
Dass die alte Welt unterm Zirkuszelt
Schon bald nichts mehr zusammenhält.
 
Schöne Grüße

 
Liedtext

6. Schöne Grüße
 

SEHNSUCHT

Text: Friedrich Schiller (1801)
Musik: Erich Schmeckenbecher
 
Ach, aus dieses Tales Gründen,
Die der kalte Nebel drückt,
Könnt ich doch den Ausgang finden,
Ach wie fühlt ich mich beglückt!
Dort erblick ich schöne Hügel,
Ewig jung und ewig grün!
Hätt ich Schwingen, hätt ich Flügel,
Nach den Hügeln zög ich hin.
 
Harmonien hör ich klingen,
Töne süßer Himmelsruh,
Und die leichten Winde bringen
Mir der Düfte Balsam zu,
Goldne Früchte seh ich glühen
Winkend zwischen dunklem Laub,
Und die Blumen, die dort blühen,
Werden keines Winters Raub.
 
Ach wie schön muß sichs ergehen
Dort im ewgen Sonnenschein,
Und die Luft auf jenen Höhen
O wie labend muß sie sein!
Doch mir wehrt des Stromes Toben,
Der ergrimmt dazwischen braust,
Seine Wellen sind gehoben,
Daß die Seele mir ergraust.
 
Einen Nachen seh ich schwanken,
Aber ach! der Fährmann fehlt.
Frisch hinein und ohne Wanken,
Seine Segel sind beseelt.
Du mußt glauben, du mußt wagen,
Denn die Götter leihn kein Pfand,
Nur ein Wunder kann dich tragen
In das schöne Wunderland.

 
Liedtext

7. Sehnsucht
 

total 58:30

  1. Sehnsucht 5:08
  2. Ansage 1:00
  3. Im Krug zum grünen Kranze 3:59
  4. Oj, dortn, dortn 3:21
  5. Dos Kelbl 3:14
  6. Ansage: 1:04
  7. Mein Michel 2:21
  8. Schöne Grüße 4:23
  9. Die Kamille 2:50
  10. Die Nacht 2:48
  11. Ansage: 0:41
  12. Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren 4:13
  13. Die Hoffnung 2:35
  14. Stiller Traum 4:13
  15. Aquarium 4:39
  16. Ansage: 1.36
  17. In all den Jahren 3:36
  18. Ein schönes Land 3:03
  19. Frische Fahrt 3:34

Romantik ist kein abgeschlossenes Sammelgebiet. Sie lebt. Und wie!
Das kann man zum Beispiel bemerken, wenn man dem “Zupfgeigenhansel” Erich Schmeckenbecher zuhört. Hier ist Romantik frisch auf Fahrt.
Rüdiger Safranski

 

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