Deutschlandlieder – ein heiterer Staatsakt

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Programm zum 25. Jahrestag des Mauerfalls.

1. Vorstellung – 15:00 Uhr

Spieldauer: 3 h 15 | eine Pause

2. Vorstellung – 19:30 Uhr

Spieldauer: 3 h 15 | eine Pause

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Das allerletzte Westpaket

Kritik von der Premiere vom 3.10.2014 – Ost Thüringer Zeitung, 06.10.2014

»Deutschlandlieder«: Das Theater Rudolstadt feierte die Jubiläen mit einer klugen Revue. Von Frauke Adrians

Rudolstadt. So viele festliche Anlässe, da könnte einem schwindlig werden: Die Bundesrepublik wird 65; die DDR wäre es geworden, wenn ihre Bürger nicht vor 25 Jahren ihr Veto ein und die Mauer umgelegt hätten; und, ein nicht ganz so runder Jahrestag: 24 Jahre Tag der deutschen Einheit. An ebendiesem feierte das Theater Rudolstadt mit all seinen Künstlerkollektiven alle Jubiläen auf einmal. »Deutschlandlieder«: Unter so einem Titel hätte man schlimmstenfalls ein Sammelsurium von erbaulichen Gedichten, Liedchen und nostalgischem Schnickschnack gewärtigen müssen. Rudolstadt macht es besser: Hier werden wirklich gute oder zumindest vielsagende Lieder und Texte gewählt, und die Moderation des Regisseurs, Stückautors und Confrenciers Steffen Mensching hält den »heiteren Staatsakt« klug zusammen. Meistens. Keinen Wehmut im Programm; stattdessen viel Ironie und Selbstironie und entspanntes Lachen über Dinge, die vor wenigen Jahrzehnten ernst gemeint waren. Wie das Kinderlied »Wenn ich groß bin, gehe ich zur Volksarmee«, vorgetragen von zwei Jungpionierinnen. Ein Beweis, »dass man die Vergangenheit nicht verklären sollte«, so Mensching. Die Thüringer Symphoniker unter Leitung von Oliver Weder spielten die passenden Beethoven-Ouvertüren – »Egmont« und »Die Geschöpfe des Prometheus«; das Auktionshaus Wendl versteigerte neben DDR-Relikten das wohl letzte Westpaket der Geschichte. Und dann konnte noch etwas gefeiert werden: das etwa 35-jährige Bestehen der deutsch-deutschen Freundschaft zwischen Steffen Mensching und Erich Schmeckenbecher von Zupfgeigenhansel, der das Programm um einige Volkslieder bereicherte. Das Schauspielensemble im DDR-Schick der 7 0er- und 80er- Jahre brachte den A-cappella Marsch »Wir bau‘n die Mauer wieder auf« von den Wise Guys nochmals als Zugabe. Man kann die Schmerzen von gestern, heute und morgen einfach weglachen — wie an diesem Abend und nochmals am 9. November.

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